Silberdiaminfluorid – ein „magischer Lack"

Bei vulnerablen Patientengruppen stoßen klassische Kariesbehandlungen schnell an ihre Grenzen. Die Anwendung von Silberdiaminfluorid (SDF) eröffnet neue Wege für eine effektive, minimalinvasive Karieskontrolle – insbesondere bei eingeschränkter Behandlungsfähigkeit.

Die frühkindliche Karies ist eine häufige Erkrankung im Kindesalter, die oft mit unschönen Begleiterscheinungen einhergeht. Ein großer Teil der betroffenen Kinder lässt eine Behandlung der kariösen Zähne kaum oder gar nicht zu. Bei älteren, pflegebedürftigen Patientinnen und Patienten treten oftmals ähnliche Probleme auf. Eine zahnmedizinische Versorgung wird zum Beispiel durch Mobilitätseinschränkungen oder ein ausgeprägtes Krankheitsbild zur Herausforderung. Dabei kann eine unbehandelte Karies die Lebensqualität stark beeinträchtigen und andere gesundheitliche Nachteile hervorrufen oder verstärken. Zahnärzte und Kinderzahnärzte stehen gemeinsam mit Eltern und Angehörigen vor der Frage, ob eine notwendige Behandlung in Vollnarkose durchgeführt werden soll. Eine Alternative dazu bietet die Kariesinaktivierung durch die Applikation eines Silberfluoridproduktes. Das dabei am häufigsten verwendete Silberfluoridprodukt ist Silberdiaminfluorid (SDF).

 

Minimalinvasive Therapien bei Karies

Silberverbindungen werden aufgrund ihrer antimikrobiellen Eigenschaften seit Langem in der Zahnmedizin eingesetzt. Bei der Anwendung auf kariösem Zahnhartgewebe dringen die Silberionen in die bakteriellen Zellwände ein, stören die bakterielle DNA-Synthese und den Stoffwechsel und führen so zum Zelltod. Zusätzlich stabilisieren die Silberionen die kariösen Läsionen, indem sie die Dentinkanälchen blockieren. Weitere Studien haben gezeigt, dass SDF nicht nur aktive Kariesläsionen verschließt, sondern auch präventiv wirkt und Überempfindlichkeiten verringert.

Die Vorteile der Behandlung sind:

  • einfache Anwendung,
  • keine spezielle Ausrüstung erforderlich,
  • kostengünstig,
  • schnelle Kariesinaktivierung,
  • hohe Wirksamkeit.

 

Demgegenüber stehen die Nachteile:

  • Schwarzfärbungen an den Zähnen,
  • ästhetische Bedenken,
  • Akzeptanz ist abhängig von der Zahnregion,
  • keine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung.

 

Bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit besonderen Bedürfnissen verlagert sich der Schwerpunkt immer mehr in Richtung minimalinvasiver Therapien. Diese haben sich als geeignet und wirksam für die Kariesbehandlung sowohl bei Milchzähnen als auch an bleibenden Zähnen erwiesen und reduzieren somit die Notwendigkeit von Eingriffen unter Vollnarkose. Wie bei den meisten minimalinvasiven Therapien handelt es sich um eine Maßnahme, die weder im BEMA noch in der GOZ oder GOÄ enthalten ist. Die Abrechnung der Kariesinaktivierungstechnik kann als Analogleistung gemäß § 6 Abs. 1 GOZ erfolgen.

 

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Ausgabe 02/2025 des DZR Xtrablatt.

 

Autorin: Nicole Mahler, DZR Kompetenzcenter GOZ/GOÄ/BEMA